Aus der Geschichte von St. Peter und Paul

 

 




St. Peter und Paul um 1890          Stadtteil Oer

Pastor Gerhard Leve Festbuch "850 Jahre Oer", 
Verein für Orts- und Heimatkunde Oer-Erkenschwick e.V.


Dies sind die frühesten uns bekannten Zeugnisse aus der Geschichte unserer Pfarrgemeinde: Im liber valoris" - einem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Verzeichnis der zur Erzdiözese Köln zählenden Kirchspiele wird unsere Kirche St. Peter und Paul bereits 1278 als Pfarrkirche bezeichnet.

Im Jahre 1333 hören wir von einem Pfarrer Engelbertis, dem früheren "Pastor de Horneburg", als Rektor der Oerer Kirche. Sie war eine der sieben Kirchen, die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts als Tochterkirchen zu Recklinghausen zählten. Ein großer Brand vernichtete 1676 das Dorf Oer und die Kirche. Bereits 1677 begann der Wiederaufbau der Kirche; aus der zurückgebliebenen Schmelzmasse der alten Glocken wurde 1678 eine neue große Glocke gegossen. 1690 war der neue Hochaltar - gefertigt von Vinzens Schröder aus Sinsen - vollendet. Mit der Wiedererrichtung des Turmes begann man 1686; noch heute ist an der Verankerung der Eisen die Zahl 1687 zu lesen. In der Friedenszeit nach den Schrecken des Siebenjährigen Krieges wurde eine durchgreifende Renovierurig der Kirche im Jahre 1765 in Angriff genommen. Eine Sakristei wurde angebaut und eine neue Orgel fertiggestellt. Dann kam es 1887 - nach gut 120 Jahren - unter Pfarrer Woldering wieder zu einer Änderung unserer Kirche. 1890 wurde das Chor abgebrochen und durch seitliche Querarme der Kirchenraum vergrößert. Die feierliche Weihe erfolgte am 7. Juli 1891 durch Bischof Dr. Hermann Dingelstad. (1889 - 1911) 
Doch in den folgenden Jahren erwies sich unsere Pfarrkirche als zu klein für die wachsende Bevölkerung. So wurde am 1. August 1932 die alte Kirche außer Turm und Chor - abgebrochen. Bei der Errichtung der neuen Kirche war Pfarrer Mennemann unermüdlich tätig - durch Beratung und Beschaffung von Geldern. Bereits Weihnachten 1932 feierte die Gemeinde den Gottesdienst in der neu errichteten Kirche. Am 5. Oktober 1933 wurde sie dann von Weihbischof Dr. Johannes Scheifers geweiht. 
Wie aber ging es dann mit der Oerer Kirche weiter? - Auch an ihr ging der 2. Weltkrieg nicht spurlos vorüber. 1942 wurden 2 Glocken abgeholt und eingeschmolzen. Ergänzt wurde das Geläut erst wieder im Jahre 1955.
Ein weiteres Kleinod wurde in den Jahren 1958/59 angeschafft: Die Chorfenster. Ein lang gehegter Wunsch ging 1960 in Erfüllung: Am 18. Dezember 1960 wurde die neue Orgel ihrer Bestimmung übergeben. Dann aber standen schon wieder große Renovierungen an: Bei der Erneuerung des Turmes - im Jahr 1966 - wurde vom Denkmalamt zur Auflage gemacht, den Helm in seiner ursprünglichen Form wieder herzurichten - so geschehen 1969/70. Ab 1986 kam es dann zur letzten großen Innen- und Außenrenovierung. Was heute noch ansteht, ist die Gestaltung des Chorraumes.
Zur Förderung des Gemeindelebens setzte sich die Kolpingsfamilie in den 50er Jahren besonders ein. Auf dem Platz der ehemaligen Scheune beim Pfarrhaus (Abbruch Juni 1952) errichtete man 1957 ein Jugendheim, das später als Pfarrheim genutzt wurde. Nach Abbruch des alten Pfarrhauses aus dem 18. Jahrhundert baute man in der Nähe ein neues Pastorat mit einem Pfarrbüro im Jahr 1977. Durch den Bau eines Kindergartens im Jahr 1966 auf dem Pfarrgrundstück (Pastors Wiese) und dessen Ausbau zu einem modernen 3-GruppenKindergarten im Jahr 1991 hat die Kirchengemeinde Oer ein vollständiges Gemeindezentrum erhalten. In der Gemeinde St. Peter und Paul entstand anstelle des 1929 errichteten alten in den letzten Jahren das neue Marienstift - ein Altenpflegeheim mit 111 Plätzen. Am 13. März 1994 wurde es durch den Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann, feierlich eingeweiht.