Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

 

Zwei Kriege, Inflation, Weltwirtschaftskrise und Zechenschließung brachten unendliches Leid.
Von 1914 bis 1945

Der Erste Weltkrieg und verschiedene Streiks konnten den weiteren Aufschwung des Bergbaus nicht behindern, da man die Kohle ja dringend brauchte. So erhöhte sich die Anzahl der Belegschaft bis zum Jahre 1921 auf über 3.800 Mitarbeiter. Trotz dieses Aufschwungs im Bergbau litt die Bevölkerung in hohem Maße, da alle Kraft für die Kriegführung aufgewandt werden musste.

Fast noch schlimmer als in der Kriegszeit erging es der Bevölkerung in der Nachkriegszeit, die wiederum durch verschiedene Streiks, aber auch durch den Kapp-Putsch, den Spartakus - Aufstand, die französische Besatzung der Ruhr und insbesondere durch die Inflation gekennzeichnet war. Erst mit Einführung der Reichsmark im Jahre 1924 stabilisierte sich das wirtschaftliche Leben allmählich wieder.

 

 

 

 

 

 


Unser Rathaus und Umgebung

 Nach der Auflösung des Amtes Recklinghausen im Jahre 1926 wurde Oer, unter Ausgliederung von Sinsen, mit Erkenschwick und Rapen zu einer neuen Gemeinde zusammengefasst. Die neue Gemeinde mit Namen "Oer-Erkenschwick" wurde dem Amt Datteln angegliedert; nicht zuletzt als Folge der in diesem Raum eingetretenen Veränderungen durch den Bergbau. Die Bevölkerung stieg bis 1926 auf 15.433 Einwohner an.

Der erste Gemeindevorsteher von 1926 bis 1929 wurde der Rektor der katholischen Volksschule in Rapen, zugleich Zentrumskandidat, Clemens Höppe. Unter seiner Leitung wurden umfangreiche Bauvorhaben, wie das Rathaus mitsamt der Marktplätze in Groß- und Klein-Erkenschwick, sowie das ehrgeizige Projekt, das weit und breit seinesgleichen suchende Hallenbad errichtet. Die Christus-König Kirche wurde im Jahre 1929 eingeweiht. Bis zu diesem Zeitpunkt erhöhte sich die Kohleförderung auf über 1,1 Mio. t und die Belegschaft stieg auf rd. 4.200 Mitarbeiter an. Es handelte sich wohl um die erste Blütezeit der jungen Gemeinde Oer-Erkenschwick.

Danach setzte ein sehr trauriges Kapitel ein. Die Zeche musste mit Absatzschwierigkeiten kämpfen und es kam zu ständig neuen Entlassungen, als am 1.7.1931 die Zeche von der völligen Stillegung getroffen wurde; die Förderung wurde erst im Jahre 1938 wieder aufgenommen. Ende 1932 lebten 9.945 Personen, fast zwei Drittel der Gesamtbevölkerung, von öffentlicher Unterstützung und Oer-Erkenschwick erlangte den Ruf, die "ärmste Gemeinde Preußens" zu sein.

Die soziale Not und das sinkende Vertrauen der Bürger in die zerstrittenen Parteien der Weimarer Republik wurde dann zum Nährboden für die Nationalsozialisten unter ihrem Führer Adolf Hitler. Der verhängnisvolle Weg in die folgenschwere Diktatur des Dritten Reichs und in den Zweiten Weltkrieg nahm seinen Lauf, wovon auch Oer-Erkenschwick nicht verschont blieb. Bis zum Jahre 1945 wurde die Gemeinde Ziel zahlreicher alliierter Bombenangriffe, die nicht nur der Zeche Ewald-Fortsetzung, sondern ebenso auch der

 

 

 

 


Schuhhaus Schuhhaus Beckmann, heute Blumen Risse

 Wohnbevölkerung galten. Durch den Krieg gab es 621 Gefallene, Vermisste und Tote zu beklagen. Nach dem Einmarsch englischer und amerikanischer Truppen und der anschließenden Kapitulation war der Krieg vorbei. Damit war das Elend aber noch lange nicht beendet. Die Wohnverhältnisse waren katastrophal in der stark zerstörten Stadt.

Insbesondere fehlte es an Nahrung, Bekleidung und Heizmaterial. Es blühte der (Schwarzmarkt) Tauschmarkt. Jeder der noch etwas besaß, versuchte es an den Mann zu bringen. Die Lage wurde besonders dadurch erschwert, dass ca. 4.000 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in der Gemeinde aufgenommen werden mussten.
 
 

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