Unsere Kindheit am Stimberg

 

Straßenkämpfe an den "Vier Tannen"
von Hans Dieter Baroth

Straßenkämpfe wurden auf dem Schulhof vereinbart. Es wurde abgesprochen, Jungen von der Hochstraße spielen gegen die von der Engelbertstraße. Oder Kalla Lein Buschstraße gegen Ahsenerstraße. Nicht etwa Elf gegen Elf. Da die Burschen in etwa in einer Altersgruppe sein mussten, gab es Fußballvergleiche Sieben gegen Sieben oder noch weniger je Mannschaft. Die Jungen von der Ahsenerstraße kickten hinter dem Friedhof, die in der Nähe des Stimberg-Stadions wohnten an den "Vier Tannen". Das war eine Anlage eigentlich zur Erholung. Wo sich jetzt der Eingang zur Tribüne des Stadions befindet, war eine gepflegte bewaldete Mulde angelegt worden. Mit einem steilen Rodelberg, guten Spazierwegen und einer Grasfläche, auf der mal vier Tannen gestanden haben sollen. Jeweils vor Weihnachten verschwand eine in der Nacht. Als alle Tannen klammheimlich von der Wiese geholzt waren, hieß das Geläuf immer noch "Vier Tannen". Gemeindearbeiter bauten ein Fußballtor auf das Gelände, so wurde es eine beliebte Bolzstätte. Engelbertstraße gegen Hochstraße war ein Spiel vereinbart worden. Weil es auf dem kleinen Platz nur ein Tor gab, wurde gegenüber eines angedeutet, in dem einige Jungen ihre Pullover oder Hemden zu einen maulwurfhohen Haufen legten, die jeweils als Torpfosten galten. Eine Querlatte gab es deshalb nicht, ein Schiedsrichter musste entscheiden, ob ein in den blauen Himmel geschlagener Ball als unter oder über die Latte gerechnet wurde. Sieben gegen Sieben. Die Hochstraße bot Kalla Lein auf, die Engelbertstraße den Balltechniker Gerhard Zeitz, genannt Moppel. Der Schiri kam von der Ahsenerstraße - es war Schorse Szymaniak. Später spielte er 43 Mal für Deutschland. Er hatte zu unserer Überraschung sich irgendwie eine Schiripfeife organisiert, aber Schorse besaß wie die anderen auch keine Armbanduhr. Schiri Szymaniak hatte sich zu helfen gewusst, in der linken Hand trug er aus der heimischen Wohnung mitgenommen einen bauchigen Wecker, den er auf 30 Minuten gestellt hatte, so dass er zur Halbzeit klingelte. Bei Straßenkämpfen lag oft die Betonung auf Kämpfe. Wessen Torwart zwischen den angedachten Torpfosten aus Pullovern stand, behauptet grundsätzlich, der Schuss sei weit über die Latte gegangen. Der Schorse grinste während des Spiels viel. Auch wenn er heftig beschimpft wurde. Für ihn blieb der verbissene Straßenkampf nur ein Fußballspiel. Gerhard Zeitz kritisierte den Schorse an den "Vier Tannen" heftig, obwohl ansonsten beide in einer Jugendmannschaft der Spielvereinigung standen.

_____

 

(C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN