Unsere Kindheit am Stimberg

 

Seit 1916 ist ein Linn dabei
von Hans Dieter Baroth

Friedhelm Linn wird nur Luwy gerufen. Vom Vater Ludwig Linn, einem berühmten Keeper, wurde für den Sohn abgeleitet "Luwy". Aus der Familie stammt die Liebe zum Fußball und zur Spielvereinigung. Seit Jahrzehnten verlebte der inzwischen über 60-Jährige seine Sonntage im Stimberg-Stadion. Wie die meisten stets auf der selben Stelle. Immer der Tribüne gegenüber, rechts vom früheren Haupteingang. Seit er 1954 Lehrling auf dem Pütt wurde steht er immer dort. Wiederholt versuchten ihn Kumpel vor dem Anpfiff in der Nähe der Tribüne aufzuhalten, doch Minuten vor dem Beginn des Spiels wurde Luwy Linn nervös, es zog ihn zur anderen Seite. In unserer Kinder- und Jugendzeit wurden im Juni keine Fußballspiele ausgetragen. Luwy Linn nahm während dieser fußballlosen, der schrecklichen Zeit jeweils seinen Urlaub vom Pütt.

Luwy Linn ist der dritte Linn in der Geschichte des Clubs von 1916 an. Seit über 80 Jahren ist stets ein Linn Mitglied. Der Großvater unseres Friedhelm Linn gehörte 1916 zu den Gründern der Spielvereinigung. Ihn hat der jetzige Linn nicht mehr gekannt. Luwys Vater folgte dem Großvater als Vereinsmitglied, er hütete in der Kriegszeit und danach das Tor der ersten Mannschaft. Bei den Aufstiegsspielen 1942 für die damals höchste Klasse, die Gauliga Westfalen, gegen Clubs wie Reichsbahn Wanne, stand der nicht sehr hoch gewachsene Vater von Friedhelm Linn zwischen den Pfosten der Schwarz-Roten. "Da die Tore damals schon so breit und hoch waren wie heute, muss der eine ganz enorme Sprungkraft gehabt haben", sagt der Sohn. Über die Leistungen des damaligen Keepers Linn hat Luwy Linn viel gelesen, erinnern kann er sich daran nicht mehr. Als Luwy "eine zehnjährige Kröte war", meldete ihn der Vater bei den Schwarz-Roten an. "Vorher ging das nicht, der hätte mich auch schon mit acht Jahren eintragen lassen", ist Friedhelm Linn sicher. So sahen wir den Sohn Luwy des sprungkräftigen Torwarts der 1. Mannschaft als Kind in der 2. Schülermannschaft starten. Des Sohnes "Aufstieg" endete in der A-Jugend, als Senior spielte Luwy Linn in der 1. Amateurmannschaft. Die Erste war abgestiegen aus der Oberliga und kickte in der II. Division. Mit "Moppel" Zeitz, "Hoppen" Schwertfeger, Hennes Lulka und Schorse Szymaniak. Auch Luwy Linn war durch die harte Trainerschule des legendären Jule Ludorf gegangen. Als Fußballer hängte er die Schuhe nach einiger Zeit beim SV Horneburg an den oft zitierten Nagel. Die Liebe der ehemaligen Kolonieblage zur Spielvereinigung blieb.

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