Unsere Kindheit am Stimberg

 

Hart die Arbeit, fröhlich die Feier
von Hans Dieter Baroth 

Hart war die Arbeit, die Feste waren fröhlich. Das waren vor den Hochzeiten die Polterabende, bei denen die Nachbarn sich amüsierten. Groß und ausführlich gefeiert wurden Schlachtfeste, runde Geburtstage und die Kommunion. In den Zechenhäusern wurden jeweils die Schlafzimmer ausgeräumt, so dass es neben der Wohnküche einen zweiten Raum für die Feier gab. Die Mütter und Nachbarinnen buken Tage vorher die Kuchen. Um sie frisch zu halten, wurden die auf die Marmorplatten der so genannten Waschtische gestellt oder im Keller kühl gehalten. Von den damaligen Manufakturwaren Becker am Markt in Klein-Erkenschwick oder von Bitting an der Stimbergstraße wurde der Bleyle-Anzug für den Jungen erstanden, die weißen Engelkleider der Mädchen nähten die Mütter meist selbst. Nach der Kommunion gab es zum Mittag nach einer Suppe mit Eistich meist deftigen Schweinebraten mit Klößen und Sauerkraut, danach gelben Eipudding mit weißen Eischaum darauf. Dazu eine süße rote Soße. Und die ersten Schnapsflaschen wurden von den Männern geleert. Zur Kommunion kamen am Nachmittag nicht nur die Verwandten - mit einigen war man immer verkracht -  auch Nachbarn, mit denen die Feiernden es gut konnten, waren dabei. Der "Kaffeeklatsch" war der Höhepunkt. Trotz der schlechten Zeit war es zum Beispiel meiner Mutter gelungen, sieben Torten zu backen. Die Tante aus Suderwich probierte von jeder ein Stück - und dann wurde es ihr schlecht. Unter dem Gejohle der restlichen Feiernden erblasste sie. Die Schnapsflaschen wurden leerer, die Männer voller. Am späten Nachmittag begannen sie vom Krieg zu erzählen und sangen danach Lieder aus der Zeit. "Euch holen sie dafür noch mal ab", versuchten die Frauen vergeblich die Stimmung zu dämpfen. Am frühen Abend wurde wieder gegessen, kaltes Fleisch gab es, Kartoffelsalat, viel Bier, und weiter harte Getränke. Ein Akkordeonspieler kam, die Alten tanzten, das Kommunionkind zählte in einer Ecke meist unbeachtet das geschenkte Geld. Auch der folgende Montag blieb ein Feiertag für die Kinder. Es durften die Spielkameraden eingeladen werden, sie mit Restekuchen und Kakao bewirtet wurden. Mein Onkel aus Suderwich unterhielt die Blagen mit Zauberkunststücken. In jeder Familie gab es einen, der für den Jux zuständig war. Auch bei Hochzeiten wurden am zweiten Tag die Nachbarn zum Essen geladen. Und wieder kreiste die Flasche unter den Männern. An den Polterabenden verteilte das künftige Paar unter den Lärmenden vor dem Haus Kuchen. Und es gab ein Pinnchen voll Schnaps. Raffinierte waren trotzdem blau!
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