Unsere Kindheit am Stimberg

 

Die Knappenstraße - ein Sandweg
von Hans Dieter Baroth

Bis 1951 war das Stück Knappenstraße zwischen Engelbertstraße und dem Bunker an der Stimbergstraße ein mit schwarzer Asche verfärbter Sandweg. Mit Schlaglöchern, in denen ganze Kinderwagen hätten verschwinden können. Nach Regen war eine Seenplatte im Vergleich zu diesem "Weg" ein trockener Bereich; oft stand das Wasser über mehrere Tage in den riesigen Pfützen. An der gesamten linken Straßenseite lagen nur Gärten. Es folgte eine Mauer zum Grundstück der Gaststätte Hundrup. Rechts standen hinter dem Eisenwarengeschäft Jasper zwei Häuser. Eines gehörte dem ehemaligen Metzger Walter, den die Nachbarn deshalb  nur Grützwurst riefen. Es folgte ebenfalls ein Gartenstück, das an das Stimbergstadion grenzte. Weiter unten standen vier Häuser aus den zwanziger Jahren. In einem Haus lebte der Schuster Ader, zwei Häuser weiter wurde das Fuhrgeschäft Tillmann mit Pferden hinten im Stall betrieben, es folgte Willibald Lehnert als Installateur. Dieser Sandweg Knappenstraße wurde um 1950 Symbol für den Fortschritt im Ort. Vier Häuser ließ die Zeche in die Gärten setzen, mit Badezimmern und Klosetts darin. Und das für jede Familie. Der schwarze Sandweg wurde nach langer Arbeitszeit asphaltiert und so die neueste Straße der Gemeinde. Der Malermeister Hans Röwer heiratete des Schusters Ader Tochter, eine Schneidermeisterin. In der Knappenstraße eröffnete das Paar das erste Toto-Geschäft der Umgebung. Tapeten wurden zusätzlich verkauft, der alte Ader besohlte weiter Schuhe. Auf der rechten Straßenseite wurde 1953 zwischen den Häusern aus der Vorkriegszeit privat das erste Haus an der Knappenstraße gebaut. Es bekam die Nummer 21. Es war der Friseur Wilhelm Pienkos, der dort als junger Unternehmer begann. Tochter Brigitte erinnert sich, dass die Knappenstraße zu der Zeit schon proper asphaltiert war. Zuvor unterhielt das Ehepaar Pienkos einen Friseurladen in der Stimbergstraße in der Einfahrt des damaligen Bäckers Stegemann, dann in einem Anbau des Gastwirtes Fritz Hundrup. Am Morgen wurde als Zeichen des Gewerbes ein silberner Teller herausgehängt, der abends eingezogen wurde. In der Knappenstraße herrschte Aufbruchstimmung. Später ließen sich noch eine Schneiderin und ein Schreiner dort nieder. Bei Wilhelm Pienkos bekamen Generationen von Erkenschwickern als Kinder die Haare geschnitten, und vom Friseur erhielten sie dazu noch Erklärungen, wie die Spielvereinigung eigentlich am Sonntag hätte spielen "müssen". Er hatte meist das Thema Fußball drauf. Im Jahr 1978 beendete er seine Tätigkeit, 1991 starb Pienkos mit 78 Jahren.

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