Unsere Kindheit am Stimberg

 

Peter Schuch und sein Koffer
von Hans Dieter Baroth

Peter Schuch (1920 - 2002) war begabt. Er spielte oft als Musiker zum Tanz auf, war Regisseur der Laienspielgruppe unserer Gewerkschaftsjugend und gelernter Schneider. Nach dem Krieg "landete" Peter Schuch im Pütt. Er pflegte trotz der harten Umstände seine künstlerische Begabung. An den Abenden probten die Laienspieler im Gewerkschaftsheim neben der Badeanstalt nach seinen Vorgaben. Dieses Haus war nach dem Krieg gebaut worden. Es hieß, die Steine stammten von einem bombardierten Schornstein, Lehrlinge des Bergwerks hätten auch mal während der Arbeitszeit daran mitgebaut. Darin gab es einen kleinen Saal und sehr kleine Büroräume rechts und links im Eingangsbereich jeweils neben den Toiletten. Peter Schuch kam vom Kiesenfeldweg in den ersten Jahren zu den Proben in einem Mantel der Wehrmacht und Mütze aus der Kriegszeit. Es waren harte Zeiten. Peter Schuch war ein begabter Conference, er konnte die Leute unterhalten und zum Lachen bringen, aber er war völlig kontrastreich dagegen ein knochenharter Regisseur. Die Aktiven aus der Gewerkschaftsjugend empfanden ihn auch oft als misslaunig. Wenn er von der schweren Arbeit der Morgenschicht noch am Abend mit den Jüngeren probte, wollte der Regisseur, dass alles klappt. Er war unerbittlich, wenn ihm eine Szene nicht gefiel. Der Spielleiter ließ proben und proben und proben. Vor einer Aufführung von Theaterstücken schminkte Peter Schuch seine Darsteller. Er kam mit einem Schminkkoffer, den er von den Ruhrfestspielen bekommen hatte. Darin lagen alte Farbstifte, und als besondere Abschreckung ein Schminktuch, mit dem er seit Jahren seinen Laienkünstlern das Gesicht gesäubert hatte. Laienspieler Luwy Linn waren dieser Schminkkoffer und das Tuch darin ein Albtraum. Einen ausgelassenen fröhlichen Regisseur erlebten die jungen Gewerkschafter immer dann, wenn sie bei Vatteroth oder Kausch bei einer Jubilarehrung einen "Bunten Abend" gegeben hatten mit Sketchen und Peter Schuch als Conference. Die Truppe war derart gut, dass sie auch Auftritte bekam in Datteln oder Suderwich bis nach Gelsenkirchen. Bei den dortigen Treffen der Laienspieler aus NRW im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus gehörte seine Truppe immer zu den Spitzenteams. Peter Schuch wurde zu Lehrgängen für Künstler eingeladen. Die harten Lebensumstände nach dem Krieg verhinderten, dass Peter Schuch eine andere Karriere hätte machen können. Er besuchte die Ruhrfestspiele im alten Saalbau nur als Zuschauer. In besseren Zeiten hätte Peter Schuch auf der Bühne gestanden. So blieb ihm von den Ruhrfestspielen nur der Schminkkoffer für Erkenschwick.

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