Unsere Kindheit am Stimberg

 

Ein hölzerner Adler über dem Stadion
„Kröten" suchten das Abenteuer auf der lädierten Brücke des Marathontors !

von Hans Dieter Baroth

Die Stimberg - Kampfbahn hieß zu Beginn Hindenburg-Stadion. So steht es in Nachschlagwerken. Erbaut wurde es zu Beginn der 30er Jahre von Erwerbslosen. Es wurde von Beginn an zu groß für den kleinen Ort.
Bevor es den Begriff Marathontor gab, hieß der Bereich Haupteingang. Was deshalb falsch war, es war damals der einzige Durchlass. Zuschauer und Spieler betraten nur an dieser Stelle die inzwischen historische Sportarena.

Über den Eingang spannte eine rot gestrichene Holzbrücke. In der Mitte erhob sich ein riesiger ebenfalls hölzerner Adler, der in seinen Krallen ein mächtiges Hakenkreuz hielt. Unter dem Eingang befanden sich die Toiletten.

Umziehkabinen gab es nicht. Die Spieler, gleich ob  Spitzenkicker aus Schalke oder Dortmund, zogen sich in der Zechenkaue um. Dann trippelten in ihrer Spielkluft Ludorf & Co Schulter an Schulter neben Kuzorra, Szepan und Eppenhoff über die Schwellen der Zechenbahn Richtung Stimbergstadion.

Sie kamen im Bereich der Vorplätze aus den Büschen. Auch die Kicker waren nervös, deshalb verschwanden sie fast alle noch einmal in dem Toilettentrakt. Erst dann liefen sie auf den grünen Rasen. Wurde bei großen Spielen wie gegen Schalke 04 eine Lautsprecheranlage von Fels aus Recklinghausen installiert, stand der Sprecher auf der Holzbrücke. Von hier oben, unter dem Hakenkreuz, war die Arena gut zu übersehen.

Zuschauer wechselten während der Halbzeit vom linken zum rechten Stehrang über die Holzbrücke, wenn sie jeweils in der Nähe eines Tores stehen wollten. Meistens näher an dem Tor des Gegners, in der Annahme, hier fallen die meisten Treffer.

Lücken schaffen „Durchsicht"

Im Jahr 1945 war der Adler wohl in der Nacht verschwunden - ob er zu Brennholz wurde, ist unbekannt. Es blieb die Brücke über dem Haupteingang.

Es fehlten im Laufe des Jahres 1945 darin immer wieder Bohlen, deshalb klafften Lücken darin mit Durchsicht nach unten. Die Holzbrücke im Stimbergstadion wurde deshalb für alle gesperrt. Was uns Kinder nicht hinderte, die Gefahr und das Abenteuer auf dieser lädierten Brücke zu suchen. Die Gefahr nicht erkennend, suchten die Kröten Mutproben, in dem sie wegen der fehlenden Bretter über die Lücken sprangen. Ein zu kurzer Sprung, viele Meter tief wäre der Fall gewesen. Erstaunlich war, wie eisern Kinder zu Hause darüber geschwiegen haben.

Tagsüber war 1945 das Stadion unbewacht - wahrscheinlich verschwanden deshalb die Bohlen, denn Brennholz war knapp und der Winter kam mit Sicherheit.

 Zu Oberligazeiten verschwand die Brücke für immer.

 

(C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN