Unsere Kindheit am Stimberg

Liebe und Diebe in Kimmels Garten
von Hans Dieter Baroth

Blagen entdecken stets Löcher im Zaun / Erste Sportverletzung beim Schlindern

„Ein Rad von Kimmel fährt bis im Himmel, ein Rad von Schrör fährt noch höher." So reimte der Volksmund über zwei Fahrradgeschäfte im Ort Ende der 50erJahre. Schrör in Groß-Erkenschwick mit einer Werkstatt im Hof spezialisierte sich stark auf Fahrräder, bei Kimmel in K1ein-Erkenschwick war das Warenangebot breiter, Fahrräder gab es zusätzlich.

Die Kinder interessierten sich zu der Zeit weniger für die Fahrräder von Kimmel, sie faszinierte ein großer mit Trauerweiden bestückter Garten, der von dem Geschäftshaus in der Stimbergstraße bis zu der Rückseite der Zuschauerränge des Stadions reichte. Einzusehen war er durch die große Toreinfahrt neben dem Geschäft.

Hohe Drahtzäune schützten den Garten, in dem zumindest ein langer Fischteich zu sehen war. Vorn standen gepflegte Obstbäume, hinten blitzte die Wasseroberfläche wie Silber auf, erhaschten wir von der Höhe der Straße einen Blick hinunter in das üppige Grün.

Der Garten lag tiefer als das Geschäftshaus. Und der hohe Zaun war oft kein Hindernis. Weil die Anlage sehr lang war, konnte die weite Fläche nicht total bewacht werden. Zwar schlief der Opa Kimmel zur Erntezeit angeblich in einem Holzhäuschen unten am Wasser, um am Ende selbst ernten zu können. Ob es stimmte oder nur raffiniert als Abschreckung verbreitet wurde, blieb unbekannt. Bekannt war aber: Die volle Ernte gelang ihm nie.

Auch an den lauen Sommerabenden muss der Draht an einigen Stellen beachtliche Löcher gehabt haben, denn für so manche Heranreifende kam es auf der Bank in Kimmels Garten zu den ersten Liebesspielen. Vielleicht war Opa Kimmel schwerhörig. Oder in diesen Fällen ein nachsichtiger Gönner.

Stümperhafte Eishockeyspiele

An den Wintertagen zumindest wurde die Einzäunung hinten an der Anlage, nahe dem Stimbergstadion, so weit geöffnet, dass auf dem Teich von Kimmel geschlindert werden durfte. Auch stümperhafte Eishockeyspiele wurden von den Eigentümern in der kalten weißen Jahreszeit geduldet. Dort erlebte ich den ersten geringfügigen Wintersportunfall. Hans Brendel von der Engelbertstraße rutschte auf der glatten Eisfläche aus und schlug mit der Stirn auf. Die war mit einer kleinen Wunde aufgeplatzt. Noch am Boden liegend rief er seiner Schwester Marianne zu: „Keine Angst, ist nicht so schlimm." Es blieb ein kleiner Blutfleck auf dem spiegelglatten Eis. Als Kinder standen wir um den roten Flecken und beobachteten, wie nach einiger Zeit das Blut fror und leicht flockig wirkte.

Liebe und Diebe - das Leben spielte in Kimmels Garten. Gekauft wurde aber auch. Käufe waren jedoch nicht so spannend.

FOTO: PATERNOGA Stimbergzeitung

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