Unsere Kindheit am Stimberg

Franz Berger mit der Pferdelunge
von Hans Dieter Baroth

Günter Pelz trug stets die Tasche / Eingetretene Niere musste entfernt werden

„Franz Berger, Spielvereinigung Erkenschwick, 44 Spiele in der Oberliga West, sechs Tore." So lauten die Angaben über unseren Kicker in der offiziellen Statistik des DFB: Er galt als Mann mit einer Pferdelunge.

Spvgg Erkenschwick gegen Horst am 17. März 1952 (Links Franz Berger)

Franz Berger spielte in der Anfangsformation der Schwarz-Roten, die bei der Gründung der Oberliga West durch einen Kantersieg in Aachen am ersten Spieltag Tabellenführer wurde.

Der hagere schmale Mann wohnte in der verlängerten Buschstraße. Vor Heimspielen lungerte Günter Pelz von der Buschstraße vor dem Haus des Franz Berger.

Kurz nach 13 Uhr verließ der Mann mit der Mannschaftsposition "Läufer" die Wohnung, in einer prall gefüllten Aktentasche waren die Fußballschuhe verpackt. Günter Pelz übernahm die Tasche, er trug sie neben dem Kicker trabend ins Stadion.

Erreichte das ungleiche Paar am Haupteingang die Kassenhäuschen, legte der Spieler einen Zeigefinger auf die Schulter des Taschenträgers, beide passierten die Kartenkontrolle. Wegen dieser Dienstleistung besuchte Günter Pelz die Meisterschaftsspiele kostenfrei.

Während eines Meisterschaftsspiels bei Rot-Weiß Oberhausen trat deren Spieler Stahl eisenhart zu. Schwer verletzt wurde Franz Berger ins Krankenhaus transportiert, die eingetretene Niere musste entfernt werden: Wir glaubten, Franz Berger trage nie mehr die schwarzrote Kluft. Einjahr musste er pausieren. Zu der Zeit zahlte Günter Pelz Eintrittsgeld.

Die ruhmreiche Oberligamannschaft

Obere Reihe v.l.n.r.:
Matejka, Pawellek, Kitza, Ludorf, Wojciechowski,

mittlere Reihe: 
Sperl, Silvers, Berger

untere Reihe :
Smigielski, Jürissen, Komorowski

Mann mit dem eisernen Willen

Der Mann mit dem eisernen Willen kehrte zurück. Er spielte mit einer Niere in der Oberliga, dann auch weiter in der II. Division. Und immer noch mit dieser Pferdelunge. Berger, Silvers, Smigielski hieß die Traumläufereihe. Franz Berger lief mit dem Ball am Fuß aus der Verteidigung über den Platz bis zum gegnerischen Tor. Er war ein Mann voller Leidenschaft.

Aufsteiger in die 2. Liga war Schwarz-Weiß Essen. Gerade gegen den Aufsteiger hatten sich unsere was ausgerechnet. Sie führten 1:0, Essen glich aus. Es folgte das 2:1, ihm ein 2:2, erneute Führung 3:2; die Schwarz-Weißen glichen wieder aus. Die Essener Spieler umarmten den Schützen. Sie trabten zum Anstoßpunkt zurück, der Schiedsrichter hatte auch die Richtung eingeschlagen.

Nun lief der wütende Franz Berger von hinten zum Schützen und trat ihn in den Steiß. Der lag auf dem grünen Rasen und schrie. Der Essener wurde vom Schiri wegen Spielverzögerung heftig verwarnt. Franz Berger wirkte, als könnte er nicht einmal nach einer Fliege schlagen.

Und die übrigen Schwarz­Roten? Selbstverständlich hatte keiner den Fehltritt ihres Läufers gesehen. Franz Berger starb sehr früh.

 

(C) by  Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN