Unsere Kindheit am Stimberg

"Schiri, abseitser geht es nicht"
von Hans Dieter Baroth

Heinz Cichutek („Mister Stimberg") war stolz auf seine Spielvereinigung

„Schiri, abseitser geht es nicht", rief Heinz Cichutek (1923 - 2000) bei vermeintlichen Fehlentscheidungen über das Spielfeld. Er stand meist auf der Laufbahn links vom Marathontor.  Kicker nannte er auch schon mal nach einer Fehlleistung einen „arbeitslosen Frisör«.

War einer wehleidig, hieß es bei Heinz Cichutek, der habe eine Krankheit, „die gab es früher nicht." Begonnen hat der Mann aus Schlesien nach dem Krieg als Torwart bei den Schwarz-Roten. Ihnen blieb er sein Leben lang treu. Erst Keeper, dann Geschäftsführer, Anton Stark und Heinz Cichutek verdankt der Club sein Überleben.

Erstmals stand er an einem Mittwoch im Tor. Es war ein Spiel gegen Arminia Marten. Mit 8:4 endete es, wie der damalige Torwart noch nach Jahrzehnten wusste.

Begonnen hat der etwas pummelig wirkende Heinz Cichutek in seiner Heimat . als Keeper beim Feldhandball. Der Flüchtling spielte in der Oberligaelf. Als der erste Dortmunder Nationalspieler August Lenz gegen Heinz Cichutek erfolgreich einen Elfmeter schoss, lief er zu unserem Heinz und tröstete ihn: „Junger Mann, es haben schon andere einen Elfer von mir nicht gehalten. Kopf hoch."

Der Oberligatorwart der Spielvereinigung erlitt in jungen Jahren eine so schwere Verletzung, dass er Sportinvalide wurde. Der ihn gefoult hatte, so Heinz Cichutek über Jahre, „hat sich bei mir nie entschuldigt." Heinz Cichutek wurde Geschäftsführer. Auf dem Pütt war er beim Personaldirektor tätig. Die Kumpel kannten ihn aus dem Lichthof der Lohnhalle, wenn er mit einer Mappe unter dem Arm von einem Büro zum anderen ging. Sie wussten nie, hat er darin Personalunterlagen oder Fußballtabellen.

Stets an derselben Stadion-Stelle

Heinz Cichutek war stolz auf die Geschichte der Spielvereinigung. Als sich Düsseldorfs Trainer Otto Knefler darüber mokierte, dass die heimische Elf eine farblich ähnliche Kluft trug wie die Düsseldorfer Gäste, raunzte ihn Heinz Cichutek an: „Wir spielten schon in der höchsten Klasse, da lernten die Düsseldorfer erst aufrecht zu gehen." Otto Knefler war besiegt.

Cichutek war abergläubisch. Hatten die Heimischen vor Jahren ein Spiel gewonnen, stellte er sich an die selbe Stelle des Stadions wie damals. Hatte er einen Schirm dabei, trug er ihn dann wieder. Auch wenn die Sonne schien.

Als die Spielvereinigung 1988 Westfalenmeister wurde, applaudierten beim letzten Heimspiel die Kicker der Gäste, es war der FC Gütersloh, dem Heinz Cichutek zu. Deren Mannschaftsbetreuer sagte: „Der Heinz ist schon 200 Jahre dabei"! Inder Oberliga Westfalen hatte er bei den anderen Vereinen den Namen „Mister Erkenschwick."

 

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