Unsere Kindheit am Stimberg

Als das Wohnungsamt allein bestimmte...
von Hans Dieter Baroth

Einwohnerzahl erhöhte sich dramatisch, aber es wurde zunächst nicht gebaut

Als Arnold Mlodzian vor 66 Jahren in der Blumenstraße 2 geboren wurde, war Vorkriegszeit. Bruder  Willi und der Neugeborene lebten mit den Eltern in einer Vierzimmerwohnung. Luxus war das für die damalige Zeit. Die Häuser gehörten der Bergwerksgesellschaft, deshalb nannten wir die Koloniebauten treffend Zechenhäuser. Aber sie wurden zwangsbewirtschaftet.

Niemand konnte sich eine Wohnung in einem Koloniehaus mieten, wer wo wohnte, darüber entschied das Wohnungsamt. Nur bis 1947 lebte die Familie Mlodzian in der relativ großen  Wohnung im Hause Blumenstraße 2. Dann entschied ein Beamter im Wohnungsamt, bei zwei Jungen reiche eine Dreizimmerwohnung. Eine andere Familie hatte zwei Töchter. Die wurde eingewiesen in die Blümenstraße 2, Mlodzians mussten umziehen in die Stimbergstraße 284. Das war ein Umzug „um die Ecke."

Nach dem Krieg strömten die Flüchtlinge auch in unseren Ort.  Die Einwohnerzahl erhöhte sich in der Reichsmarkzeit dramatisch, aber es wurde noch nicht wieder gebaut. Flüchtlingsehepaare bekamen Einzimmerwohnungen zugeteilt. Auf früheren wilden Wiesen waren zuletzt noch während der Kriegszeit Behelfsheime gebaut worden. So an der verlängerten Knappenstraße. Das waren flache Wohnhäuser mit Minimalausstattung. In dem Haus Engelbertstraße 48 lebten acht Familien mit 13 Kindern. Jede Wohnung bestand nur aus zwei Räumen: Küche und Schlafzimmer, Plumpsklo für zwei Familien auf dem Flur.            .

Eltern und Kinder im Schlafraum

Eltern und Kinder schliefen in dem Schlafraum. So war es bei Gerhard („Moppel" ) Zeitz, der mit Mutter und Bruder in einer Zweizimmerwohnung lebte. Unter dem Dach des Hauses hielt Bruder Manfred noch Tauben. Nachbar Heinrich Mackrodt übernachtete mit Frau, seinen beiden Söhnen und der Tochter Edith in einem Raum. Es war nicht selten, dass die Jüngsten im Fußende des Bettes der Eltern schliefen. In unserem Schlafzimmer standen zwei „Ehebetten". In einem Bett schliefen die Eltern eng beieinander, im anderen mein Bruder Engelbert, und ich. Eine andere großzügigere Lebensform kannten wir nicht.

Wenn Kinder geboren wurden, lag die künftige Mutter auf dem Küchentisch, Nachbarinnen heizten das Wasser in Waschkesseln auf dem Küppersbusch-Herd an. Die Hebamme wohnte in der Knappenstraße, die ein Sandweg war. Erst 1949 wurden, neue Häuser gebaut. Als unsere Familie 1950 in den Neubau an der Knappenstraße 18 eingewiesen wurde, bekamen wir auch ein Bad und eigenes Klosett: Wer in die Wohnung wollte, musste an unserer Tür klingeln. Das war im Ort der absolute Luxus.

 

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