Unsere Kindheit am Stimberg

Nachruf

Hans Dieter Baroth ist tot

BERLIN/O-E. (-mü-)
Hans Dieter Baroth ist tot. Der bekannte Journalist und Buchautor verstarb bereits am Mittwoch nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren in seiner Wahlheimat Berlin. -

Hans Dieter Baroth (Foto) - wurde in Oer-Erkenschwick geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er den Beruf des Bergmanns. Fünf Jahre arbeitete er auf der Zeche Ewald-Fortsetzung.

Im Jahr 1957 verließ er den Pütt, jobbte und begann, für Zeitungen zu schreiben. Von 1959 bis 1961 war er in Baden-Württemberg Landesjugendsekretär einer Gewerkschaft. Danach arbeitete Baroth als Journalist in verschiedenen Positionen. Seit 1964 machte er auch Dokumentarfilme. Sein erstes Sachbuch erschien 1977, sein erster Roman ein Jahr später. Mit der 'ran-Redaktion` erhielt er als Chefredakteur 1972 den Deutschen Journalistenpreis. 1992 bekam er den Literaturpreis Ruhrgebiet. Zahlreiche Artikel veröffentlichte Hans Dieter Baroth, der leidenschaftlicher Anhänger der Spvgg. Erkenschwick und Träger der Ehrennadel der Stadt Oer-Erkenschwick war, auch in der Stimberg-Zeitung.

Um Hans Dieter Baroth trauert seine Ehefrau. Mit ihr fühlen zahlreiche Freunde und Weggefährten verschiedener Vereine und Institutionen. Die Beisetzung des Verstorbenen findet in Kürze in aller Stille in Berlin statt.

 

20.07.2008 | Quelle: Medienhaus Bauer

 

Eine Stimme des Reviers ist verstummt
Der Schriftsteller, Fotograf und Journalist Hans Dieter Baroth ist tot

VON ELKE JANSEN

BERLIN. „Auf den Spuren der versunkenen Kindheit" - so hat er sein letztes Projekt als Fotograf und Schriftsteller genannt - durchstreifte Hans Dieter Baroth noch vor wenigen Monaten das Ostvest, marschierte stundenlang durch Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick, seine Geburtsstadt. Jetzt endete diese Spurensuche abrupt: 71-jährig ist Hans Dieter Baroth - grausam überraschend selbst für engste Freunde - einer schweren Krankheit erlegen.

„Aber es waren schöne Zeiten", „Streuselkuchen in Ickern" oder „Als wir noch Blagen waren" zählen zu den bekanntesten Werken des Schriftstellers. In scheinbarer Betulichkeit täuschen die Titel darüber hinweg, dass Baroth alles andere als rührselig auf die erste Hälfte des Jahrhunderts im Revier zurückblickte. Verklärung war sein Ding nicht. Sagen (und nacherzählen), was Sache war und ist, schnörkellos, geradeaus, authentisch: Das war typisch Baroth. Und vielleicht seiner zweiten Profession, dem Journalismus, geschuldet. Schlampig recherchierte Texte oder auch Kollegen, die nicht richtig zuhörten und die Fakten verdrehten, konnten ihn zur Weißglut treiben. Dann konnte er, der so gern lachte und ein großes Herz gerade für die kleinen Leute und die Schwächen der Menschen an sich hatte, richtig böse werden, zynisch und verletzend. Hart war er auch gegen sich selbst. Unvergessen ein Gespräch über eine andere Stimme des Proletariats, den in Oberhausen aufgewachsenen Autor Ralf Rothmann. „Der ist mindestens drei Klassen besser als ich, da komme ich im Leben nicht ran", befand Baroth. Widerrede zwecklos.
Vielleicht hatte er Recht. Unbestritten gleichwohl, dass der Mann, der eigentlich Dieter Schmidt hieß und nach einem Aufenthalt in Bad Rothenfelde die ersten Buchstaben des Ortsnamens zu seinem Pseudonym fügte, vielen Menschen im Revier Erinnerungen und mehr als das, ein Selbstwertgefühl schenkte.

Berlin, wie der Kohlenpott ein Schmelztiegel der Kulturen, wurde ihm eine zweite Heimat. Die alte behielt er stets scharf und unbestechlich im Blick. Unter anderem was den Fußball anging. Man durfte Baroth immer stören, nur sonntagnachmittags nicht: Da gehörte sein Herz ganz der Spvgg. Erkenschwick, deren Spiele er via Internet live verfolgte. Der Liebe zum Fußball entsprungen auch eines seiner populärsten Bücher: „Jungens, euch gehört der Himmel", in dem Baroth die Geschichte der Oberliga West 1947-1963 aufarbeitete.

Nun gehört der Himmel, an den er im streng christlichen Sinne nicht glaubte, ihm.
Mach's gut, Junge!
 

Von Erkenschwick nach Berlin
• Hans Dieter Baroth wurde am 12. Februar 193 7 in Oer-Erkenschwick geboren. Sein Vater war Bergmann.

• Nach dem Besuch der
Volksschule musste Baroth aus wirtschaftlicher Not ebenfalls den Beruf des Bergmanns erlernen. Fünf Jahre arbeitete er auf der Zeche Ewald-Fortsetzung.

• Im Jahr 1957 verließ er den Pütt und begann, für Zeitungen zu schreiben. Von 1959 bis 1961 war er in Baden-Württemberg Landesjugendsekretär einer Gewerkschaft. Danach arbeitete Baroth als Journalist. Seit 1964 machte er auch Dokumentarfilme. Sein erstes Sachbuch erschien 1977, sein erster Roman ein Jahr später.

• Mit der Redaktion des DGB-Jugendmagazins „ran" erhielt er als Chefredakteur 1972 den Deutschen Journalistenpreis. 1992 bekam er den Literaturpreis Ruhrgebiet.

• Seit 1990 lebte der Autor in Berlin. Verheiratet war er mit der Historikerin Astrid
Brand.

20.07.2008 | Quelle: Medienhaus Bauer

 

Dem Ruhrgebiet gehörte seine Liebe

WAZ Vest,18.07.2008, Dieter Decker
Oer-Erkenschwicker Schriftsteller Hans-Dieter Baroth (71) starb am Mittwoch in seiner Wahlheimat Berlin.
 
Hans-Dieter Baroth ist im Alter von 71 Jahren in Berlin gestorben. Baroth, der eigentlich Dieter Schmidt heißt, wurde in Oer-Erkenschwick geboren. Fünf Jahre arbeitete er auf der Zeche Ewald Fortsetzung, ehe er sich dem Journalismus zuwendete. Lange Jahre war er Chefredakteur der DGB-Jugend-Zeitschrift Ran. Anfang der 90er Jahre zog er nach Berlin. Baroth (die Abkürzung von Bad Rothenfelde, wo er sein erstes Buch verfasste) schrieb zunächst Romane über seine Heimat. „Aber es waren schöne Zeiten” gibt authentische Einblicke in das Bergarbeiterleben. „Es folgten Bücher wie „Streuselkuchen aus Ickern”.

Trotz seines Umzugs hing Baroth im Grunde dem Ruhrgebiet nach. „Das werd ich nie vergessen”, heißt sein Ruhrgeschichten-Buch. Er war stets direkt und lieferte mit seinen Büchern einfühlsame Erklärstücke und Hintergründe warum Menschen seiner Heimat so sind, wie sie sind. Seine große Liebe galt dem Fußball, insbesondere der Spvgg. Erkenschwick. Sonntags rief er Freunde und Bekannte an, wollte wissen, wie sie gespielt haben. Es folgten hintergründige Bücher über die Zeiten und Anekdoten der Oberliga West. Mit seinen seinen Büchern hat Baroth Zeitgeschichte im Revier transparent und nachvollziehbar gemacht.