Unsere Kindheit am Stimberg

  

Meine Schulzeit
von Johannes Vonnahme

 

Eines guten Tages waren die Spaßzeiten vorbei. Am 01. 04.1943 war für mich Schulbeginn in der kath. Volksschule „ Westerbachschule " in Oer-Erkenschwick. Am ersten Schultag sind wir noch vorsichtig vorbereitet worden. Fräulein Vorwerk erzählte uns Geschichten. Eine große Tüte gab es nicht, da es kaum etwas zum Schluckern gab.


Westerbachschule

In der folgenden Zeit hatten wir zu unserer Freude und Zufriedenheit weiterhin bei Fräulein Vorwerk Unterricht. Ab der vierten Klasse unterrichtete uns Fräulein Cramer, die auch gleichzeitig Schulleiterin war. Mindestens einmal in der Woche erzählte sie uns, dass sie eine Verwandte von Hermann Löns sei. (Die Mutter von Hermann Löns war eine geborene Cramer und stammte aus Paderborn). Die Naturverbundenheit von Fräulein Cramer ließ sie uns sehen und mitfühlen. Sie hielt während der gesamten Unterrichtsstunde einen Rohr­stock in ihrer rechten Hand. Der Rohrstock diente als Zeigestock und als Schlagstock. Bei Unaufmerksamkeit eines Schülers musste dieser vortreten, und bekam Schläge auf die geöffnete Handfläche.

Junge Lehrer gab es zu der Zeit nicht. Sie mussten in den Krieg. Herr Lehrer Nolte unterrichtete uns in Erdkunde. Er hatte schon im Krieg 1914-1918 gedient. Wenn wir etwas über Frankreich hörten, kam für uns die große Stunde. Wir fragten nach den uns bekannten Kriegsereignissen. Er freute sich über unsere Wissbegierde und erzählte uns über die Schlachten in Frankreich. Im Nu war dann die Stunde um.

Deutsch und Rechnen lehrte uns Herr Lehrer Kölling. Er war ein Fan der großen Dichter Goethe und Schiller. Viele bekannte Balladen und Gedichte haben wir auswendig gelernt. Bei Unaufmerksamkeit eines Schülers, bekam dieser eine Kopfnuss verpasst. Lehrer Kölling hatte eine glatte polierte Glatze. Wenn ein Schüler die Melodie summte: Der Mond ist aufgegangen, sagte er zu uns: "Das will ich euch sagen, Glatze ist besser als gar keine Haare ".

Gesangsunterricht hatten wir bei Herrn Vollmer. Viele Jungen mimten dann den Stimmbruch. Wir wurden vom Unterricht befreit und sollten in unserem Klassenzimmer Rechenaufgaben lösen. Wir verließen dann leise das Schulgebäude und spielten in der äußersten Ecke des Schulhofes Fußball.

Ich denke noch gerne an die Schulzeit zurück. Lehrer und Schüler haben sich gut vertragen. Wir haben wirklich fürs Leben gelernt.

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