Unsere Kindheit am Stimberg

  

Näher am Himmel
von Johannes Vonnahme

Nach der Erstkommunion im Jahr 1945 wurden einige Nachbarjungen und ich Messdiener. Unser Herr Kaplan Friepörter brachte uns die lateinischen Staffelgebete bei. Auch wenn es uns schwer fiel, eines Tages hatten wir es gepackt. Der Herr Kaplan Friepörter war ein ruhiger Typ. Mit stoischer Ruhe zog er sein Programm durch, selbst wenn wir schon zappelig wurden. Zwei Jahre lang waren wir liebe Jungen und hatten fast einen Heiligenschein.

 

 

 

 

 

 

 

St. Josef-Kirche

Im Jahr 1947 kamen wir so langsam in die Flegeljahre. Dazu bekamen wir einen neuen Kaplan. Herr Kaplan Frye übernahm das Kommando. Alles wurde nun lockerer. Er machte mit uns ein Zeltlager in Groß Reken. An Wallfahrten nach Nerviges und Kevelaer durften wir auch teilnehmen. Besonders schön fanden wir die Busfahrten.

So langsam wurden wir immer mutiger. Wenn wir auf dem Dienstplan standen, waren wir noch früher als nötig in der Sakristei. Während der Küster Hense die Altarkerzen anzündete, tranken wir einen Schluck vom wohlschmeckenden Messwein.

Der Küster Hense bestimmte auch, welche Messdiener die Glocken läuten durften. Zur Empore (Orgelbühne) führte eine Treppe mit einem linken Schwung hinauf. Vor den Orgelpfeifen befanden sich die Glockenseile.

Das Läuten machte uns einen besonderen Spaß. Wir zogen an einem dicken Seil, um die Glocke zum Läuten zu bringen. Wenn die Glocke den Scheitelpunkt erreicht hatte, konnten wir uns zwei bis drei Meter in die Höhe ziehen lassen. Wenn die Gläubigen unten in den Kirchenbänken ein Gebet zum Himmel schickten, waren wir oben am Seil mindestens sieben Meter näher am Himmel.

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