Unsere Kindheit am Stimberg

  

Die Himmelfahrtstour 1955
von Johannes Vonnahme

Wir, vier junge Männer im Alter von 19 Jahren, durften schon ab und zu ein Bier trinken. Eines guten Tages hatte uns Hubert Backhaus zu einer Kutschfahrt eingeladen. Dieses Ereignis sollte am Himmelfahrtstag stattfinden.

Pünktlich, um 10.30 Uhr standen wir vor dem Hof von Backhaus. Die Kutsche war ein Einspänner und für vier Personen ausgestattet. Das Wetter meinte es gut mit uns. Wir hatten gute Laune und jede Menge Durst.

Hubert ließ sein Pferd in ruhiger Gangart laufen. Als erste Station hatte er eine kleine Wirtschaft in Oer geplant. Die Wirtschaft war gleich vorne an der Klein-Erkenschwicker Straße. Dort angekommen, wurde das Pferd angebunden.

Das kühle Bier schmeckte vorzüglich. Nach einer Stunde sagte Hubert: "Ich muss dem Pferd etwas zum Saufen geben! " Einer von uns hatte eine glorreiche Idee. Er ließ sich vom Wirt fünf Liter Bier in einem Eimer geben. Das Pferd ließ sich den edlen Gerstensaft schmecken.

Um 13.00 Uhr brachen wir auf. Es wurde immer heißer. Als nächste Station war Mutter Wehner vorgesehen. Die Haardstraße war zu der Zeit noch ein ein Sandweg. Plötzlich begann das Pferd in einer Gangart zu laufen, die wir noch nicht kannten. Ein Kampfwagen-Rennen war nichts dagegen. War das Pferd vom Hafer gestochen, oder war es der Gerstensaft? Wir waren vollkommen eingestaubt. Dazu bekam das Pferd, es war eine Stute, einen Harndrang. Die Stute urinierte so gewaltig, das die ganze Gischt über uns kam. Wir sahen aus wie panierte Wesen vom anderen Planeten.

Bei Mutter Wehner war die Gartenwirtschaft bis auf den letzten Platz besetzt. Wir sahen furchterregend aus und hatten einen penetranten Geruch am Leib. Die Gäste verließen fluchtartig einen bis zwei Tische. Wir hatten nun viel Platz, aber nicht mehr viel Spaß. Es ließen sich keine Bekanntschaften knüpfen. Ich denke noch oft an das einmalige Erlebnis: "Die Himmelfahrtstour 1955" zurück.

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