Erinnerungen an die Schulzeit

 
„Unser Lehrer" Karl Kollmann

Erinnerungen an unsere Schulzeit

- ein Bericht von Karl-Heinz Wewers -

„Unser Lehrer" Karl Kollmann war schon ein Lehrer ganz besonderen Formats. Ich will weniger über die rein schulischen Aspekte berichten, als vielmehr über die kleinen und großen Dinge am Rande, die es waren, so meine ich, dass wir Schüler mit unserem Lehrer zu einer verschworenen Gemeinschaft heranwuchsen. Die Aufsatzlehre, die Berechnung des Inhalts oder des Umfangs einer Kugel und dgl. mehr waren doch so selbstverständlich, wie es auch selbstverständlich war, dass kein Schüler die Schule verließ, ohne dass er sich den Dreisatz in allen seinen Variationen aus dem Ärmel schütteln konnte. Dennoch ist die Wurzel allen Wirkens von Karl Kollmann hierin begründet; damit nahm alles seinen Anfang.
 
In einem Bericht aus dem Jahre 1947 schreibt Karl Kollmann:
„Die Schule darf keine Einrichtung sein, die neben dem Leben herläuft und in keiner Beziehung zu ihm steht; vielmehr muss die Schule sich in das praktische, pulsierende Leben einschalten. Sie muss sogar ein Teil des Lebens sein. Sie muss sich einschalten in die Gemeinschaft, in der sie steht. Die jungen Leute können gar nicht früh und eindringlich genug mit der Gemeinschaft, ich meine hier die Dorfgemeinschaft, vertraut gemacht werden."

Genau nach diesen Prinzipien handelte unser Lehrer. Er führte und erzog uns zur Selbständigkeit. Kameradschaft zwischen Schülern und Lehrer stand über allem. Erziehendes Einwirken von Mitschüler zu Mitschüler, vor allem von den älteren auf die jüngeren, auch von Mädchen auf Jungen wurde gefördert.

Unsere Schulstube wandelten wir zu einer Schulwohnstube um. Alle Schüler der Klasse halfen mit, die Wände mit Bildern, Gemälden, Holzschnitten und dgl. auszugestalten. Blumenschmuck an den Fenstern und frische Blumen in großen Vasen waren eine Selbstverständlichkeit. Im Herbst wurde die Klasse mit einem Erntekranz und mit Herbststräußen geschmückt. In der Adventszeit wurde unsere Schulstube zu einer Adventsstube umgewandelt mit Adventskranz, Adventssternen an den Fenstern, Adventsäpfeln und -häuschen.  
 
Karl Kollmann verlangte Ordnung und Sauberkeit. Wir wurden erzogen nach dem Motto: „Wirf kein Papierfort, dann brauchst Du auch keines aufzuheben. " Ich glaube nicht, dass jemals städtische Arbeiter unseren Schulhof reinigen mussten. Mehrmals im Jahr wurde von uns Schülern eine lange Reihe gebildet und der Schulhof abgelaufen. Alles, was uns dabei in den Weg kam, wurde aufgelesen. Verbunden mit dieser Aktion war natürlich ein Feuer auf dem Schulhof, in dem alles Aufgelesene verbrannt wurde. Eine Besonderheit in unserer Klasse war sicherlich auch die Kuckucksuhr.   
Jeder Namens- oder Geburtstag wurde zu einer kleinen Feierstunde. Alle Schüler und der Lehrer beglückwünschten das Festtagskind, es durfte sich dann von der Klasse ein Lied wünschen. Oftmals wurde die kleine Feier dann zu einer nicht geplanten Gesangstunde. Wir sangen überhaupt viel in der Schule. 

In der Bastelstube - natürlich nach Schulschluss - wurde das ganze Jahr über gebastelt. Auch entlassene Schüler beteiligten sich hierbei noch. Zum Weihnachtsfest wurden Krippen und Spielzeug gebastelt; die Mädel bastelten Puppen und schneiderten Kleider. Es wurden Kasperleköpfe geschnitzt, Vogelnistkästen gebaut und vieles andere
mehr. In einer Spielzeugausstellung und in der Krippenschau stellten wir die Arbeiten der Öffentlichkeit vor.  
Neben den offiziellen Schulwanderungen unternahmen wir des Nachmittags Wanderungen durch die Haard. Wanderziele waren der Stimberg, die Gernequelle, das Birkentor, Ahsen, der Dachsberg, Flaesheim usw. Oftmals gingen wir auch mit Hämmern bewaffnet auf Steinsuche. Wir wurden frühzeitig in die Volkstanzgruppe integriert, spielten in der Blockflötengruppe mit und durften schon recht bald an den alljährlich stattfindenden Dorfabenden teilnehmen.
Über alles hier ausführlich zu berichten, würde zu weit führen. Daher werde ich mich im weiteren auf die drei schulbegleitenden Hauptattraktionen, das Jugendzeltlager in Haltern, die Jugendwochen in Haus Beck und unseren Abkochtag beschränken.
 
 

(C) by Karl-Heinz Wewers / WEBDESIGN