50 Jahre "Stadt" Oer-Erkenschwick
1953 - 2003

 

Festansprache des Bürgermeisters Clemens Peick zum 50jährigen Stadtjubiläum
Rückblick auf die Stadtwerdung im Jahre 1953

Sehr geehrte Damen und Herren, in der Stadtchronik ist zur Stadtwerdung folgendes vermerkt:

Die Häuser hatten Girlanden und Fahnenschmuck angelegt. Städtische Arbeiter verteilten Birkengrün, das von den Anwohnern in den Straßenrand gepflanzt wurde. Die Straßenbahnen im gesamten Vest fuhren mit den Oer-Erkenschwicker Farben. Von mehr als 150 Masten, von der Stadtgrenze am Schultenkrug bis hin zum Rathausplatz und zum Stadion, grüßten die Fahnen aller Vestischen Städte, Ämter und Gemeinden.

Am Vorabend des 17. Mai gastierten die städtischen Bühnen Gelsenkirchen mit der Operette „Feuerwerk“ im Stadtkino. Das Festzelt war auf der Beckerschen Wiese aufgebaut. Scheinwerfer waren installiert, um das Rathaus nachts anzustrahlen und das Pulver für ein großes Feuerwerk war trocken gelegt.

Bürgermeister Willy Winter verfasste einen Aufruf „an die Mitglieder unserer Gemeinde, das Fest gemeinsam zu feiern und gute Gastgeber zu sein“.  

Am Morgen des 17. Mai waren Tausende auf den Beinen.
Die Menschen säumten die Straßen von der Stadtgrenze bis zum Rathaus und standen dicht gedrängt auf dem Rathausplatz. Der Regierungspräsident als Repräsentant der Landesregierung und der Landrat wurden durch eine Oer-Erkenschwicker Delegation am Schultenkrug in Empfang genommen. Anschließend ging es, von Motorrad- und Fahrradfahrern eskortiert zum Rathaus. In einer Sondersitzung des Rates überreichte Regierungspräsident Hackethal Bürgermeister Winter die Stadternennungsurkunde. Es folgte vor einem riesigen Menschenmeer die feierliche Proklamation auf dem Rathausplatz. Und am Abend durfte in allen Lokalen gefeiert werden, ohne dass die übliche Vergnügungssteuer für „Lustbarkeiten“ entrichtet werden musste. Es war die Morgengabe - und so spät wurde es auch fast überall - der Stadtvertretung an ihre Bürgerinnen und Bürger. Soweit der Chronist.

 

Zum 50-jährigen Jubiläum der Stadt Oer-Erkenschwick

Sehr geehrte Damen und Herren.

Das 50-jährige Jubiläum dieses Feiertages ist für alle Oer-Erkenschwicker Mitbürgerinnen und Mitbürger, für Politik und Verwaltung eine erfreulicher Anlass wiederum gemeinsam und mit vielen Gästen aus nah und fern ausgelassen zu feiern. Aus diesem Grund begrüße ich recht herzlich

           die Europaabgeordnete  Jutta Haug,
           die Bundestagsabgeordnete  Waltraud Lehn,
           den Landtagsabgeordneten  Wolfgang Röken,
           den Türkischen Vizekonsul  Herr Mehmet Küschüksakale
           den Landrat des Kreises Recklinghausen Hans-Jürgen Schnipper,

           die anwesenden Bürgermeister unserer Partnerstädte
           Helmut Wenzel aus Lübbenau
           Jean Lüc Deroo aus Halluin
           Michal Chojara aus Pniewy
           Janko Veber aus Kocevje  und
           Sefik Türktas aus Oba

Ich begrüße meine Kolleginnen und Kollegen Bürgermeister aus den kreisangehörigen Städten des Kreises Recklinghausen,
die Mitglieder des Kreistages Recklinghausen sowie
die Ratsvertreter und ehemaligen Ratsvertreter unserer Stadt.

Ein herzliches Willkommen gilt den Vertretern der einzelnen Parteien, der Polizei, Vertreter der Kirchen, Leiterinnen und Leiter der Oer-Erkenschwicker Schulen und Kindergärten.

Vertreter der Wirtschaft und Verwaltung, die Vertreter der örtlichen Vereine und Verbände und ebenso herzlich die örtliche Presse und den lokalen Rundfunk.

Aus Anlass des 50jährigen Stadtjubiläums darf ich Sie alle hier in der Stadthalle auf herzlichste begrüßen.

Die Stadt Oer-Erkenschwick, ihre Einwohnerrinnen und Einwohner, die politischen und administrativen Vertretungsorgane und ich persönlich freue mich darüber, dass Sie der Einladung zum heutigen Festakt so zahlreich gefolgt sind und deute dies als Zeichen der Wertschätzung und spürbarer kommunaler sowie regionaler Solidarität und Verbundenheit.

Was vor 50 Jahren die doch eher zurückhaltende Bergbaugemeinde nahezu in Gänze mobilisierte, ist aus heutiger Sicht für den einen oder anderen sicherlich nicht mehr leicht nachvollziehbar, war doch mit dem verliehenen Recht, sich künftig „Stadt“ zu nennen, für Oer-Erkenschwick zunächst kein größerer Grad an Selbständigkeit verbunden. Die Amtsverwaltung Datteln blieb weiterhin das bestimmende Organ für die Kommune am Stimberg und sollte dies auch noch bis zum 31.12.1964 bleiben.

Die Begeisterung, mit der die Verleihung der Stadtrechte aufgenommen wurde, war das äußere Zeichen eines immens gestiegenen kollektiven Selbstbewusstseins und des Gefühls öffentlicher - genauer gesagt sogar regierungsamtlicher - Anerkennung und Bestätigung. Man empfand gemeinsam Stolz und Genugtuung darüber, dass mit diesem Beschluss der Landesregierung, die Aufbauleistung und der Wille honoriert wurde, mit denen man in Oer-Erkenschwick den materiellen aber auch immateriellen Kriegsfolgen begegnete und ein lebendiges vor allem aber demokratisches Gemeinwesen entstehen lies.

Dieser Erfolg und das daraus abgeleitete Gemeinschaftsgefühl waren Garant und Basis für die weitere Entwicklung der Stadt Oer-Erkenschwick und sind es bis heute geblieben.

So vieles, was unseren Ort lebenswert macht, wurde durch gemeinsame Anstrengungen der Oer-Erkenschwickerinnen und Oer-Erkenschwicker erreicht. Zwar sind wir keine Mustergemeinde, in der unter den Einwohnern stets Eintracht herrscht, auch wir kennen Streit und Missgunst, Auseinandersetzungen und Interessensgegensätze.

Doch in Notlagen haben die Bürgerinnen und Bürger immer zusammengestanden und gemeinsam gehandelt. Sie taten das insbesondere – aber nicht nur – weil sie wussten, dass sie aufeinander angewiesen sind.

Dieses Bewusstsein, gewachsen aus der täglichen Erfahrung des harten Berufsalltages unter Tage, war die eigentliche Triebfeder im positiven Werdegang unserer Stadt, die eben nicht nur in ökonomischer, sondern auch in sozialer und soziologischer Hinsicht eine echte Bergbaustadt gewesen ist.

Auch wenn sich der Bergbau aus der Stadt inzwischen zurückgezogen hat, hat sich dieses Gefühl der Verbundenheit erhalten, der Verbundenheit untereinander und der Verbundenheit mit Oer-Erkenschwick.

Insbesondere heute ist dies unübersehbar – haben sich doch so viele Vereine und Organisationen in der einen oder anderen Weise an der Ausgestaltung der Jubiläumsfeierlichkeiten beteiligt.

Sie alle zeigen, dass es ihr Ort und ihr Jubiläum ist, das wir heute alle gemeinsam begehen.
Denn Oer-Erkenschwick ist unser aller Heimat, sowohl für diejenigen, die hier aufgewachsen sind, als auch für die Menschen, die sich später hier verankert haben. Oer-Erkenschwick ist der Ort in dem wir verwurzelt sind, in dem wir uns angenommen oder wohl fühlen.

Ich weiß, Heimat ist kein ganz unproblematischer Begriff, wurde er doch schon politisch missbraucht oder musste für verkitschte Darstellungen herhalten. Doch beim richtig verstandenen Heimatgefühl geht es nicht um Machtansprüche oder realitätsferne Vorstellungen von heiler Welt, sondern um den ganz menschlichen Wunsch nach Verwurzelung und Zugehörigkeit. Eine Zugehörigkeit, die nicht fraglos alles akzeptiert, sondern bei aller Zuneigung auch Kritik kennt.

Ein solches Gefühl von Verbundenheit rufen vor allem die regionalen oder lokalen Lebensbereiche hervor, in denen der einzelne lebt und tätig wird. Bekannte Namen, vertraute Klänge, ein überschaubarer Raum – sie geben Orientierung und stiften eine Verbindung zwischen den Menschen.

Heimat, das ist weniger ein großes Land, das ist eher ein kleiner Ort oder eine bestimmte Region, zu denen jemand eine Beziehung entwickelt hat, weil er dort aufgewachsen ist oder seit längerem lebt.

Der Bezug zum Herkunfts- oder Wohnort mag gerade heute, in Zeiten der Globalisierung, an neuer Bedeutung gewinnen. Denn wenn Entscheidungen auf immer weiter entfernten Ebenen fallen und alles immer stärker vernetzt wird, brauchen die Menschen einen Fixpunkt, an dem sie sich auskennen und mitreden können. Das hat nichts mit Provinzialität zu tun, sondern mit dem Wunsch, bei aller Weltoffenheit auch ein Zuhause zu haben, also irgendwo verankert zu sein und mitbestimmen zu können.

Hier in Oer-Erkenschwick haben wir ein Umfeld, das in Größe und Zuschnitt überschaubar ist. Das empfinden, wie ich aus vielen Begegnungen weiß, die Bürgerinnen und Bürger als angenehm. Jeder erfährt, was hier vor sich geht, jeder weiß wie es zu politischen Entscheidungen kam, jeder hat die Möglichkeit, sich zu Gehör zu bringen. Für Meinungsverschiedenheiten oder für die Suche nach vernünftigen Kompromissen gibt es zudem das Oer-Erkenschwicker „Landrecht“. Ein zwar ungeschriebenes aber äußerst umfassendes Gesetzeswerk für pragmatische Lösungen in allen Lebensbereichen. Das alles hat dazu beigetragen, den Zusammenhalt der Gemeinde zu fördern.

Die Bereitschaft, sich zu beteiligen und sich für das Gemeinwohl zu engagieren, sie wird auch in Zukunft gebraucht. Gerade kleinere Kommunen müssen neue Wege suchen, um sich gegenüber größeren Städten oder der Konkurrenz aus anderen Ländern zu behaupten und ihre Eigenständigkeit zu wahren.

Sie sind, wie in der Vergangenheit, auf die Initiative, die Fantasie und Tatkraft ihrer Bewohnerrinnen und Bewohner angewiesen. Wie der Rückblick auf unsere Ortsgeschichte zeigt, haben die Oer-Erkenschwickerinnen und Oer-Erkenschwicker schon viele Herausforderungen gemeistert und deshalb können wir, davon bin ich überzeugt, mit Zuversicht in die Zukunft blicken.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste,
das Interesse der Bürgerinnen und Bürger – und der Politikerinnen und Politiker – richtet sich nun mal in der Regel am meisten auf die Gegenwart und natürlich auf die Zukunft. Doch viele, denke ich, finden es, wie ich, auch spannend, den Blick auf die Vergangenheit zu lenken und das nicht nur an offiziellen Gedenktagen.

Aber manche fragen sich vermutlich auch, wozu das ganze Wissen über die Vergangenheit gut sein soll. Hat die Geschichte uns etwas zu sagen? Erfahren wir mehr als ein paar nette Anekdoten über Leben und Lieben, Arbeiten und Wohnen in fernen Zeiten? Gibt es einen Bezug zur Gegenwart?

Ich denke ja. Denn die Gegenwart beginnt an keinem Nullpunkt, sie wird vielmehr von dem geprägt, was früher geschehen ist. Ereignisse und Entwicklungen bauen aufeinander auf schaffen damit eine zusammenhängende Geschichte. Heute und gestern gehören zusammen. Wir müssen etwas von der Vergangenheit wissen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft bewältigen zu können. Der Blick zurück zeigt uns, wie wir geworden sind, was wir heute sind, wie sich unsere Identität herausgebildet hat. Nur wenn wir uns unserer Geschichte und Traditionen bewusst sind, können wir uns mit ihnen auseinander setzen und versuchen aus vergangenen Ereignissen einen Nutzen für das Heute und das Morgen zu ziehen.

Ich will jetzt nicht auf die schwierige Frage eingehen, ob man aus der Geschichte lernen kann. Ich möchte hingegen auf Menschen aus unserer Mitte verweisen, die daran geglaubt und danach gehandelt haben. Die sich wie meine Amtsvorgänger Willi Winter und Heinz Netta für den demokratischen Aufbau, für die Wahrung rechtsstaatlicher Prinzipien eingesetzt haben, weil sie ihre Schlüsse aus den Fehlentwicklungen der Vergangenheit gezogen hatte.

Jedes Gemeinwesen braucht Menschen, die sich für die mühsam errungenen – und immer wieder gefährdeten – Freiheits- und Menschenrechte einsetzen. So wie es auch Menschen braucht, die sich den tagespolitischen Belangen mit großer Kraft und Energie widmen. So manche Errungenschaften in unserer Stadt gehen einzig darauf zurück, dass einzelne Bürger sie zu ihrer ureigensten Angelegenheit machten. Der Blick in die Geschichte unserer Stadt macht deutlich, dass sich kommunale Aufgaben nur oder zumindest besser lösen lassen, wenn viele Bewohner Bürgersinn beweisen oder zum Schulterschluss bereit sind.

Wenn wir uns vor Augen führen, was die vergangenen 50 Jahre Oer-Erkenschwick gebracht haben, können wir feststellen, dass wir gemeinsam eine Menge erreicht haben. Und wenn wir an das aktuelle Tagesgeschäft denken, dann haben wir mit dem Stadtumbauprojekt „Innenstadt“, dem neuen Spaß- und Freizeitbad und die Zukunft der ehemaligen Bergbauflächen Aufgaben in Angriff genommen, die die Lebensqualität in unserer Gemeinde weiter verbessern und unsere Zukunftsfähigkeit erweisen werden.

Mit diesem Ziel stehe ich fest in der Tradition meiner Amtsvorgänger, mit denen ich 50 Jahre Stadtgeschichte teile. Willy Winter erhielt vor 50 Jahren die Amtskette vom Landrat als äußeres Zeichen der Würde und Stellung seines Amtes, Heinz Netta trug sie bei seiner Festrede zum 25jährigen Jubiläum und mir wird die Ehre zu Teil, sie als 3. Bürgermeister dieser Stadt beim Festakt zum 50jährigen Jubiläum zu tragen.

Politik für Oer-Erkenschwick – auch das betrachte ich als ein Vermächtnis meiner Vorgänger -– kann nur Erfolgreich sein, wenn sie auf die Gestaltung der Zukunft ausgerichtet ist. Und Politik spielt sich, auch heute im Zeitalter des globalen Dorfes, immer noch im ganz konkreten Dorf vor Ort ab.

Denn „Städte und Gemeinden sind“, wie Bundeskanzler Gerhard Schröder im letzten Jahr auf dem Deutschen Städtetag heraus strich, sie sind „Keimzellen der Demokratie“.

Die städtische Selbstverwaltung ist ein Eckpfeiler unserer demokratischen Verfassung. Die Kommunen sind Zentren demokratischen Lebens, in ihnen nehmen die Bürgerinnen und Bürger am politischen, sozialen und kulturellen Leben teil. In den Kommunen beginnt das, was wir heute gern Bürger- oder Zivilgesellschaft nennen.

So sehr wie alle die Chancen des globalen Zeitalters zu nutzen wissen, so schätzen wir aber auch den Ort, an dem wir unsere Wurzeln haben oder an Entscheidungen beteiligt sind. Die Menschen sind sowohl weltoffen als auch ortsverbunden und was für den einzelnen Bürger gilt, gilt auch für die Gemeinden. Selbst eine kleinere Kommune hat heutzutage vielfältige Kontakte auf wirtschaftlicher, politischer und ganz persönlicher Ebene mit Gemeinden anderer Länder. Auch Städte und Ortschaft kommen heute nicht darum herum, global zu denken, um dann lokal zu handeln.

Auch in dieser Hinsicht haben unsere Vorgänger schon frühzeitig und weitsichtig gehandelt und den Grundstein für unsere vielfältigen internationalen Beziehungen gelegt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich freue mich außerordentlich, dass es gelungen ist, die städtepartnerschaftliche Begegnung, die Pflege und Verfestigung unserer vielfältigen Kontakte ins nahe und ferne europäische Ausland in den Mittelpunkt unserer Jubiläumsfeiern zustellen.

Bevor es heute Nachmittag bei den Spielen der Freundschaft zum Vergleichswettkampf zwischen jungen Sportlern aus allen Partnerstädten kommt, werde ich mit den Bürgermeisterkollegen aus dem türkischen Oba und dem slowenischen Kocevje die Urkunden unterzeichnen, mit denen wir unsere offizielle Städtepartnerschaft besiegeln.

Mit Halluin in Frankreich, North Tyenside in Großbritannien, Pniewy in Polen, Lübbenau im Spreewald und ab heute mit Oba in der Türkei und Koczevje in Slowenien, verbinden uns förmliche Partnerschaften und Freundschaften. Weniger formal aber keineswegs weniger herzlich und freundschaftlich sind unsere Beziehungen nach Troitzk in Russland, Wijhe in den Niederlanden und ins oberbayrische Oberhausen.

Mit unseren Städtepartnerschaften befinden wir uns – daran gibt es für mich keinen Zweifel – auf dem richtigen Weg. Dies unterstreicht auch eindrucksvoll der Europarat in Straßburg, der unsere Stadt bereits im Jahr 2001 mit dem Europadiplom ausgezeichnet hat. Für uns ist Europa sichtbar, greifbar, ansprechbar. Europa bedeutet für uns nicht die
x-ste Änderungsverordnung zur Verordnung über Einfuhrquoten, sondern die Begegnung der Sportler aus unseren Gemeinden, die gemeinsame Jugendfreizeit, Aufenthalt in den Familien und das Zusammentreffen unterschiedlichster Vereine wie an diesem Wochenende.

Wenn wir von Europa sprechen, meinen wir die Bürger unserer Partnerstädte, die uns wie alte Freunde in ihren Häusern aufgenommen und auch dort umsorgt haben. Wir denken an all die Gesprächspartner mit denen wir lange diskutiert haben. Vieles, was neu für uns war, haben wir dabei gelernt. So manches Vorurteil konnte dabei ausgeräumt werden, das uns zuvor den blick auf die Wirklichkeit verstellt hatte. Wir sind über die – auch sprachlichen – Grenzen hinweg Freunde geworden. Ich wüsste nicht, was Europa, was Oer-Erkenschwick, besseres Widerfahren könnte.

Nichts darf uns davon abhalten, im Rahmen des Völker verbindenden Bandes unserer Partnerschaften dafür einzutreten, dass nationalstaatlich- egoistisches Denken abgebaut wird. Trotz der selbstverständlich zu respektierenden nationalen Eigenheiten, müssen die Menschen in Europa mit einer Stimme sprechen, um den Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können.

Unser aller Bemühen ist darauf zu richten, ein Pluralität und Liberalität umfassendes Klima als Grundlage eines europäischen Bewusstseins der Zusammengehörigkeit zu schaffen. Wir alle sind aufgefordert, aufzubrechen zu einem Europa der Bürger.
Ich freue mich , dass unser Stadtjubiläum und das Rahmenprogramm mit dazu beiträgt, uns Europa wieder ein Stück näher zu bringen.  

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

50 Jahre sind für eine Stadt eigentlich kein beeindruckendes Alter und sind gemessen am Ablauf der Menschheitsgeschichte weniger als ein Wimpernschlag. Und dennoch waren diese Jahre für Oer-Erkenschwicks Entwicklung prägender als alle vorangegangenen – und das waren nicht eben wenige. Immerhin lassen sich Spuren menschlicher Besiedlung auf unserem Stadtgebiet bis in die Steinzeit zurückverfolgen.

Unsere Stadt hat in diesen 50 Jahren einen vollkommenen Wandel erlebt. Für schier unmöglich Gehaltenes wurde Realität und Unverzichtbares ist ohne größere Aufmerksamkeit einfach verschwunden.

Wohl jeder von uns hat seine eigenen privaten Erlebnisse und Erinnerungen, doch es gibt sie eben auch, die gemeinsamen, verbindenden Ereignisse, spektakuläre Fußballspiele, die Eröffnung der Freizeitstätte, Feste in unserer Stadthalle, der Challenge Day und vieles andere mehr.

Unsere Stadt hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Sie bleibt nicht unberührt von demokratischen Entwicklungen oder weltweiter Vernetzung, vom Wandel der Arbeitswelt und des Konsumverhaltens. Es ist uns allen klar, dass noch große Herausforderungen vor uns liegen. Alle Kommunen haben mit ökologischen und ökonomischen Fragen zu tun, mit der Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und der Sicherung von Lebensqualität. Um sich fit für die Zukunft machen zu können, dazu müssen die Rahmenbedingungen stimmen, die von außen gesetzt werden. Aber stimmen müssen auch die Bedingungen, für die wir selber zuständig sind. Unser aller Kreativität und Innovationsbereitschaft ist erforderlich, unser aller Engagement und Verantwortungsbewusstsein.

Wie die Stadt der Zukunft aussehen wird – darüber gibt es schon viele Spekulationen. Wie unsere Stadt in Zukunft aussehen wird – daran können sich alle Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Ihre Vorstellungen sind gefragt, denn es geht um ihr Wohlbefinden, ihre Vorstellungen werden gebraucht, denn wir sind auf die Initiative, die Fantasie und die Tatkraft aller angewiesen.

In diesem Sinne wünsche ich unserer Stadt eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung und eine friedliche Zukunft und möchte mit einem Zitat Willy Winters schließen, der im Rahmen der Feierlichkeiten vor 50 Jahren feststellte:

„Unser Platz unter den Städten des Vestes wird immer ehrenvoll sein, wenn unsere Bemühen durch Uneigennützigkeit, Sinn für Gerechtigkeit und tiefes soziales Empfinden getragen wird“.

Ich freue mich, dass wir unser Stadtjubiläum mit einem so großen Kreis von Gästen aus nah und fern feiern können und wünsche uns und Ihnen allen heute ein schönes Fest, an das man sich auch noch in 50 Jahren erinnern wird.

 

Vielen Dank und ein herzliches „Glück Auf“.